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Digitale Schwarzweißfotografie mit GIMP

Das GIMP-Script-fu BW Film Simulation wird seinem Namen gerecht. Es bringt deine Digitalfotografien nicht nur um ihre Farben, sondern simuliert Farbfilter und Filmsorte und kommt dadurch den analogen Vorbildern nahe.

Vorbemerkung

Es war schwieriger als gedacht, dieses Script aufzustöbern. Zuerst nahm ich an, die BW Film Simulation wäre ein GIMP-Standard, doch das stimmt offensichtlich nicht. Ich muss sie wohl irgendwann mal gesondert installiert haben.

Deswegen beginne ich diesen Artikel mit Links auf die lokale Kopie des Scriptes und der dazugehörigen GNU-Lizenz sowie den Fundort: Ubuntuforums.org.

Inbetriebnahme

Nachdem du sie mit GIMP bekannt gemacht hast, findest du die BW Film Simulation unter dem Menüpunkt Colors|Farben. Wie die meisten Effekte kannst du das Script jedoch nur aufrufen, wenn ein Bild geöffnet ist.

Die emulierten Filmsorten

Zusätzlich zur Möglichkeit, durchschnittliche (»generic«) Schwarzweißfotos zu generieren bzw. welche mit normalem oder hohem Kontrast, bietet dir das Script eine reiche Auswahl simulierter Filme. Nämlich diese:

Agfa 200x
Agfapan 25, 100 und 400
Ilford Delta 100, Delta 400 und Pro 3200
Ilford FP5, HP5, Pan F, SFX und XP 2 Super
Kodak Tmax 100, Tmax 400, Tri-X und HIE

Ehrlich gesagt ist das für meinen Geschmack sogar ein wenig zuviel Auswahl, denn manche Filmmaterialien führen (auf den ersten Blick?) zum gleichen Ergebnis.

Die Farbfilter

… wiederum liefern tatsächlich erkennbare Unterschiede. Je nachdem, welche Farbe der Filter filtert, werden Bilddetails betont bzw. gehen verloren.

Das Testbild

… ist eine Mischung aus Puppenportrait und Blick ins Dresdner Elbtal. Es ist in seiner Gesamtheit nicht typisch, aber die Bildhälften stehen stellvertretend für die beliebten Motivgattungen Portrait und Schönwetter-Urlaubsfoto.

das zugrundeliegende Farbbild

Die ungefilterte Schwarzweiß-Version

Bei diesem und den restlichen Beispielbildern habe ich mich für die Filmmaterial-Simulation generic BW entschieden. Welche sich übrigens bereits vom bloßen Nullsetzen der Farbsättigung unterscheidet.

Durchschnitts-SW, ungefiltert

Zum Vergleich: Null Prozent Saturation|Farbsättigung

Das Gesicht ist nicht so glatt und die Gebüsche rechts unten sind etwas dunkler.

Testbild mit Null Prozent Farbsättigung

Der Blaufilter

… schluckt Bewölkung und dunkelt den Teint der Puppe massiv nach.

Durchschnitts-SW und Blaufilter

Der Grünfilter

… hingegen eignet sich ausgesprochen gut für die Optimierung bei Tageslicht entstandener Aufnahmen, während das Puppengesicht dank ihm ziemlich blass aussieht.

Durchschnitts-SW und Grünfilter

Die übrigen Filter unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Wirkung auf das Gesicht der Puppe sowie bei dieser Bildgröße nur winzige Details des Blickes auf Dresden.

Gelbfilter

Durchschnitts-SW und Gelbfilter

Orangefilter

Durchschnitts-SW und Orangefilter

Rotfilter

Durchschnitts-SW und Rotfilter

Alles in allem hängt die Wahl des passenden Farbfilters stets vom Motiv ab. (Kein Praxisbeispiel: der Farbkreisvergleich.) Anfangs wird es dich einige Zeit kosten, die optimale Einstellung auszuwählen. Schließlich gibt es etliche Kombinationen aus simuliertem Film und simuliertem Farbfilter.

Doch der Vorteil der nachträglichen Verwandlung von farbigen Fotografien in Schwarzweißfotos liegt auf der Hand: Du kannst sorglos Filter und Filmmaterial wechseln, denn das Motiv ist bereits im Kasten. Außerdem vergeudest du bei diesen Übungen kein echtes (und teures) Filmmaterial.

Zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten

Diese befinden sich zwischen den beiden Dropdown-Menüs namens Film und Filter und dem Statusbalken.

Increase Local Contrast

… verstärkt den Helligkeitskontrast dort, wo es dem Script nötig erscheint.

Auto Levels

… verbessert die Helligkeit und den Kontrast des gesamten Bildes automatisch.

Drop Gamma 10%

… senkt den Gammawert um zehn Prozent. Soll heißen: Das Bild wird etwas dunkler.

▸ Saturate

… optimiert die Leuchtkraft der Farben des Ursprungsbildes vor allen anderen Schritten.

Rename Layer?

Das Häkchen hier zu setzen kann ich dir nur empfehlen, denn dann wird dem zu errechnenden Bild ein Name verliehen, der der Auswahl entspricht.

New Layer?

Ist dieses Kästchen angehakt, bleibt dir das Original als (Hintergrund-)Ebene erhalten und die Schwarzweiß-Fassung wird als neue Ebene eingefügt. So kannst du, indem du Ansichten de-/aktivierst oder sogar kombinierst, die Auswirkung verschiedener Filmsorten und Filter direkt vergleichen.

Überlagerst du beispielsweise das Ausgangsbild mit dem grüngefiltertem Schwarzweißfoto und stellst die Art der Überlagerung auf Value|Helligkeit

BW Film Simulation - Beispiel für BW-Ebenen

…, sieht das Ergebnis so aus:

Durchschnitts-SW mit Grünfilter überlagert das ursprüngliche Testbild

Nachbemerkung

Wenn du mehr über (echte) Fotofilter wissen möchtest, solltest du dich in Stadtbibliothek und Internet nach Sachtexten umschauen sowie Flohmärkte nach Fachliteratur durchstöbern.

Außerdem rate ich dir dazu, Schwarzweißaufnahmen zu betrachten. Das sollten nicht ausschließlich die Werke von Anton Corbijn und Ansel Adams sein, sondern auch die Fotografien in alten Bildbänden wie dem 1961 erschienenen "Dresdener Notturno" von Richard Peter.

Und noch etwas: Vergiss nicht, dir Notizen zu machen, welches Motiv (bzw. welche Bildqualität) welche Nachbearbeitung erfordert! Wobei du dabei gewonnenen Erkenntisse ja auch in Form eigener GIMP-Scripte veröffentlichen könntest.

Danksagung

Vielen Dank an Serge Mankovski fürs Programmieren der BW Film Simulation und Ari Pollak für »various fixes«.

Veröffentlicht am 12. Oktober 2008 Stichworte:

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