Langzeitbelichtungen bei Tag und ohne Filter
… sind mit der richtigen Ausrüstung problemlos möglich. Alles, was du für eine solche Langzeitbelichtung brauchst, sind Kamera, Stativ, je nach Kameramodell auch einen Fernauslöser; vor allem aber ein Grafikprogramm wie GIMP, welches die Möglichkeit bietet, mehrere Digitalaufnahmen übereinanderzulegen.
Vorbemerkung
Bei echten Tageslicht-Langzeitbelichtungen müsste ein starker Graufilter – bzw. Schweißerbrillenglas – verhindern, dass das entstehende Bild bereits kurz nach dem Auslösen zur grellweißen Fläche wird. Denn selbst die kleinstmögliche Blendenöffnung wehrt zu wenig Licht ab, um diese Überstrahlung großartig abzuschwächen.
Deshalb ist die hier beschriebene Methode, filterlos über längere Zeit Bildinformationen aufzuzeichnen, eigentlich eine Anleitung zur digitalen Mehrfachbelichtung. Und für diese braucht es zuerst einmal jede Menge Einzelaufnahmen.
Fotografieren
Hier kommen Stativ, Kabelauslöser und unter Umständen auch kamerainterne Software/-hacks zum Einsatz: Du schraubst die Kamera aufs Stativ, stellst Schärfebereich und die übrigen Eckdaten selbst ein, damit später alles passt, und schießt viele Aufnahmen. Je mehr deckungsgleiche Ausgangsfotos in die Nachbearbeitung einfließen, umso ‘flüssiger’ wird später das Ergebnis wirken.
Wichtig für die Bildwirkung sind unbewegte Objekte, die im Schärfebereich liegen und von den Bewegungen umspült werden. Wenn nur genügend Bildmaterial dafür vorhanden sind, kannst du belebte Straßen und Plätze leeren oder Springbrunnen einfrieren.
(Abgesehen davon, dass ISO-Grobkorn verschwindet.)
Bildbearbeitung mit Enfuse
Falls auch auf deinem Rechner das Kommandozeilenprogramm Enfuse anstandslos läuft, so braucht es (zumindest unter Ubuntu Linux) nur ein geöffnetes Terminal und in etwa diese beiden Kommandozeilen:
cd /home/benutzerIn/zielpfad
enfuse -o Wunschname.jpg IMG_*.JPG
Die erste Zeile befiehlt den Sprung zum Dateiordner, der die Aufnahmereihe enthält. Und die zweite bringt Enfuse dazu, sämtliche Bilder des Ordners, deren Name mit IMG_ beginnt, zu einem Bild namens Wunschname zusammenzurechnen.
(Testaufnahmen musst du logischerweise vorher auslagern, weil sie sonst das Ergebnis verunreinigen.)

Der steinige Weg führt über die GIMP-Ebenenmodi
Du startest GIMP, öffnest die Einzelbilder als Ebenen (as layer) und wartest eine ganze Weile. Hat GIMP deine zig Einzelbilder endlich geladen, speicherst du diesen Datenbrocken vorsichtshalber im XCF-Format.
Nun beginnt die eigentliche Arbeit, welche einzig daraus besteht, die Ebenenmodi einer jeden Aufnahme von Normal auf Nur Aufhellen (lighten only) umzustellen.

Den zur Vorbereitung auf diesen Beitrag gestartete Versuch, hundertzwei Bildebenen zu kombinieren, habe ich abgebrochen, weil dieser meinen Rechner in die Knie zwang.
Ich entschied mich deshalb dafür, nur diejenigen Einzelbilder zu verwenden, deren Name auf Fünf endete. Herausgekommen sind zwei Fassungen der selben Aufnahmenreihe; einmal nur abgedunkelt und einmal nur aufgehellt:


Veröffentlicht am 20. Mai 2009
Stichworte: Gimp • Langzeitbelichtung • Nachbearbeitung









Lucien
29. Mai 2009Hallo,
ich würde gerne deinen Feed abonnieren. Leider funktioniert die URL nicht. Vielleicht kannst du das ja reparieren oder mir den richtigen Link mitteilen. Bis demnächst.
Gruß Lucien
Christian Schulze
29. Mai 2009Danke für den Hinweis. Ich habe den Fehler schon festmachen können, anscheinend gibt es Probleme mit einem Umlaut im Feed. Ich arbeite daran.
Silke
4. Juni 2009Das alles klingt schon sehr interessant. Sehr gute Arbeit.Gut gemacht.Tolle Seite, weiter so!
aXelpiX
11. Juni 2009Für Nutzer von Adobe Lightroom gibt es ein Enfuse-Plugin.
http://timothyarmes.com/lrenfuse.php