Digitale Bildzensur: Die Techniken
Der Unterschied zwischen Retusche und Zensur ist nicht die Radikalität, sondern die Offensichtlichkeit des Eingriffes. Schließlich kommen beide Techniken zum Einsatz, sollen der Öffentlichkeit (un?)wichtige Bildinformationen vorenthalten werden.
Doch während gut retuschiertes Bilder die ahnungslose Zielgruppe belügen, fallen zensierende Eingriffe sofort auf und sollen es auch.
Die Techniken
Zu allen nun geschilderten Zensureingriffen sind die NutzerInnen ebenenfähiger Grafikprogramme wie z.B. Paint.NET problemlos in der Lage.
0. Invertierung, auch bekannt als Farbumkehrung

Haha, ich glaub’s gleich. – Diese Bildmanipulation schützt kein Geheimnis, weil die erneute Farbumkehrung der invertierten Fläche den Eingriff rückgängig macht.
1. bekritzeln / ausradieren

‘Im echten Leben’ kommen Edding oder Wohnungsschlüssel zum Einsatz, sobald z.B. das Gesicht des Ex-Freundes aus Urlaubsfotos getilgt werden soll. Im Bildbearbeitungsprogramm hingegen werden die zu zensierenden Details mit digitalem Radiergummi bzw. Pinsel beharkt.
2. Zensurbalken

Ebenso einfach ist es, Bildinformationen zu schwärzen bzw. mit farbigen Flächen zu ‘überkleben’: Der heikle Bildbereich wird markiert und mit der gewünschten Füllfarbe begossen.
Einige Mausklicks mehr sind vonnöten, wenn die Unterkante des einzufügenden Balkens am Verlauf des zu zensierenden Objektes ausgerichtet werden soll:
Der Balken wird in einer neuen Bildebene erstellt und in die gewünschte Position rotiert/gezogen. Dadurch fügt er sich, Antialiasing vorausgesetzt, optimal ins Bild ein.
Gespeichert wird das Ergebnis in einem Format, welches nicht ebenenfähig ist. Andernfalls müssen die Ebenen vor dem Speichervorgang vereint werden.
4. Verpixeln (pixelate)
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Die Pixelgröße richtet sich nach dem Motiv und darf nicht so gering sein, dass Details erahnbar bleiben. Darum ist ratsam, Variationen auszuprobieren, statt sich auf das erstbeste Ergebnis zu verlassen.
4a. Schnelles Verpixeln
Der Bereich wird markiert und dann verpixelt. Der Nachteil auch hier wieder: Sobald z.B. die Augenpartie nicht parallel zum Bildrand verläuft, führt diese Zensurmethode zu digitalen Kollateralschäden.
Besser ist es in solchen Fällen, auf
4b. Motivschonendes Verpixeln
zurückzugreifen; auf eine Technik also, die der bereits beschriebenen Schräge-Zensurbalken-Methode ähnelt:
- Eine Kopie der zu zensierenden Ebene wird erstellt und so gedreht, dass das fragliche Detail parallel zum Bildrand verläuft.
- Das Detail wird markiert, kopiert, als neue (dritte) Ebene eingefügt
- und verpixelt. Durchaus können auch andere vergröbernde Effekte angewandt werden, solange das Ergebnis stimmt.
- Die zweite Ebene wird gelöscht, die die Pixelebene hingegen passend zurückrotiert. Das geht am Schnellsten, wenn die Gradzahl (noch) bekannt ist.
- Zu guter Letzt werden Ebenenkopie und -original vereint und das Bild als neue Datei gespeichert.
- ????
- PROFIT!
5. Verzerrung und Unschärfe

Warum verzerren, wenn Verpixelung und Unschärfe viel vertrauenswürdiger sind? Verzerrungen sind zwar sicher, aber keineswegs todsicher. Sie verändern Bilddaten und zerstören sie nicht. Ernstmeinende Geheimniswahrer sollten auf solche Spielereien verzichten.
6. Exif-Angaben manipulieren
Die Daten dieses Dateiformates, dem Exchangeable Image File Format, kommen zustande, weil Digitalkameras mehr als nur Pixelwerte in die Bilddateien schreiben.
Aufgeführt werden unter anderem das Kameramodell, die Belichtungszeit, die Angabe, ob Blitzlicht zum Einsatz kam, und nicht zuletzt auch das bis auf die Sekunde genaue Aufnahmedatum. Einige Kameramodelle verfügen über ein eingebautes GPS und geocoden die Fotografien automatisch.
Das ist entweder hilfreich, interessant oder beides. So etwa kann man mit dem Flickr Camera Finder verfolgen, wieviele Fotos mit welchem Kameramodell geschossen wurden.
Gleichzeitig verraten diese Daten jedoch eine Menge über den Tagesablauf der Kameranutzer; sie sagen viel darüber aus, wo diese sich wann wie lange aufgehalten haben. Und wie alle öffentlich zugänglichen persönlichen Daten, so bergen auch Exif-Daten Gefahren, denen sich wohl die wenigsten Nutzer bewusst sind.
Also: Wem die Datensammelwut zu weit geht, der kann die gespeicherten Angaben mit Hilfe von Software komplett löschen, teilweise zensieren oder in unsinnige Werte ummünzen.
Diese Zensurmaßnahme ist von allen die subtilste, da sie allein jenen Personen auffällt, die sich für Exif-Daten interessieren. (Bei ausgedruckten Digitalfotos fehlen Exif-Daten sowieso von vornherein.)
Abschließend noch vier relevante Netzfundstücke
… , statt einer wiederkäuenden Zusammenfassung:
Zwei Beispiele für missglückte Zensurmaßnahmen
Boing Boing: Verwirbelungs-Effekt
digital inspiration: Beschnittene Bilder und ihre Thumbnails
Und zwei Anklagen gegen die verlogene Schwester der Zensur
cs.dartmouth.edu: Berühmt-berüchtigte Fotomanipulationen
Photoshop-Desaster
Veröffentlicht am 19. Mai 2008
Stichworte: Bildmanipulation • Datenschutz • Zensur







