Der Fortschritt frisst seine Kinder
Falls du dir eine brandneue Digitalkamera zugelegt hast, war das sicherlich ein Modell, bei dem irgendein Bestandteil das kleinste, größte, längste, meiste oder schnellste war. Behaupte ich jetzt einfach mal.
Ein Beispiel für dieses Streben zum Superlativ ist die nimmer endende Diskussion um die Megapixel-Anzahl. Während die einen meinen, sechs Megapixel würden ausreichen, stellen die anderen bereits Mobiltelefone her, deren Kameras Bilder im zweistelligen MP-Bereich erzeugen.
CHDKForums-User gehtnix wiederum hat deshalb im Beitrag Abwärtstrend bei den Kompakten die ernüchternden 2008′er Ergebnisse der Stiftung Warentest zusammengefasst …
»Im Jahre 2008 (Stand Oktober 2008) erhielt von 100 getesteten Kameras keine die Note „Gut“. 2006 – 33x „Gut“ von 88 und 2007 – 8x „Gut“ bei 90 Getesteten. Alles unabhängig von der Preisklasse.«
…, die Antwort von Henner.info auf die Anfrage, ob denn Fotoservice überhaupt so große Bilddateien nutzen würden, zitiert …
»Unter “Bilder bearb. > was ist ppi?” wird gezeigt, dass für ein 10 x 13 cm Bild jedes Digitalfoto (Egal ob es 8 oder 12Mp hat) auf ca. 2MP heruntergerechnet wird (Motto: “Aus 4Pixel mach eines” und nicht: “Drei löschen und nur eines behalten”).«
… und seine Beweisführung mit dem Fazit abgeschlossen:
»Gibt es so große Monitore? Nein. Wer hat die Drucker dazu? Keiner. Entwicklung auf Papier? Geht auch nicht! Also landen unsere Pixel und unser Geld doch größtenteils im digitalen Papierkorb!
Bleibt aber noch die mir jetzt auftauchende Frage, können Beamer die volle Pixelanzahl darstellen? Und, gleich von mir hinterher geschoben, ein vorsichtiges Nein.«
Einige Zeit später in der Diskussion, in der auch über unsinnige High-ISO-Werte gelästert wird, stellt Paparazzi »eine etwas provokante Frage, aber denkt mal ein wenig darüber nach…
Wozu braucht es heute noch gute Kameras? Früher war es der Profibereich, dort jedoch liefert das eigentliche Foto nur noch die Grundlage, von der wieviel bleibt? Vielleicht 10%? Tendenz fallend. Der Rest ist doch das rein synthetische Ergebnis der Nachbearbeitung (und hier meine ich nicht Helligkeit und Kontrast), so dieser Begriff überhaupt noch der Wirklichkeit entspricht, Neuschaffung würde es sicherlich besser treffen. Was die breite Masse knipst, sieht man wie bereits erwähnt in den Communitys… Und die paar, die dann noch übrig bleiben, sind kein lohnender Markt…«
So hatte ich das bisher noch nicht gesehen, doch diese Einschätzung liest sich plausibel. – Bei der Stiftung Warentest selbst wiederum ist man übrigens der Meinung, dass 2009 Endlich wieder Gute Kompakt-Digitalkameras auf den Markt geworfen werden.
Und das ist auch bitter nötig, denn ältere Digitalkameras scheinen sich grundsätzlich nach einiger Zeit selbst zu zerstören, weswegen ich auch kein Vertrauen in den Kauf gut erhaltener Gebrauchtkameras von vor zwei Jahren habe.
Wer weiß es besser?
Veröffentlicht am 28. Februar 2009
Stichworte: Bildqualität • Marketing • Megapixel








