Digitalfotografie ist ein Verbrechen an der Umwelt

Pierre Vlček

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Foto von Señor Codo

Der Einsatz zeitgenössisch-digitaler Fototechnik hat die Entstehung, Aufbereitung und Verbreitung von Lichtbildern enorm vereinfacht.

In fast jedem aktuellen Mobiltelefon ist eine Digitalkamera integriert. Scheinbar monatlich kommen neue Kameramodelle auf den Markt, die mehr Funktionen bieten als ihre Vorgänger. Fotografieren gehört, ebenso wie das Aufzeichnen kleiner Filmchen, inzwischen zum Alltag des westlichen Durchschnittsbürgers.

Leider ist es genau dieser rasanten Entwicklung neuer elektronischer Spielereien zu verdanken, dass digitales Fotografieren weitaus umweltschädlicher ist als sein analoger Vorläufer.

Problemstellung

Schon klar: Auch früher kam ohne Umweltgifte kein Foto zustande. Aber dafür veraltet ‘klassisches’ Fotozubehör auch nicht so rasend schnell. Während Analog-Fotografen ihr Equipment teilweise über Jahrzehnte hinweg nutzen, kaufen jedes Jahr Millionen Menschen die neuesten Kameramodelle und halten Geräte mit weniger Megapixeln für minderwertig.

Die wenigsten Käufer scheint es zu stören, dass die Herstellung all dieser EVA-Geräte der neuesten Generation massenhaft Energie und Rohstoffe verschlingt.

Jeder weiß, dass Festplatten gern mal kaputtgehen, sobald ihre Garantiezeit abgelaufen ist. Deshalb legen Menschen des digitalen Zeitalters stets Sicherungskopien an, um im Ernstfall nicht gigabyteweise Familenfotos verloren zu haben. Doch mit jedem RAID-Level und jeder Backup-DVD vergrößert sich das Volumen des zukünftigen Sondermüllberges.

Ein weiterer Negativeintrag in die Umweltbilanz ist der Fakt, dass die gespeicherten Daten nutzlos sind, solange kein Strom durch Schaltkreise fließt. Virtuelle Familienalben vergilben nicht, aber mit jedem Zugriff auf die Bilddaten steigt der Stromverbrauch. Und das weltweit, sobald man Fotos ins Internet stellt.

Lösungsansätze

a. Die radikalste Entscheidung ist die, im Namen des Umweltschutzes auf technische Neuerungen zu verzichten. Dann solltet ihr jedoch konsequent sein und unökologische Hobbies und Berufe grundsätzlich boykottieren.

b. Wenn ihr nur auf Schnappschüsse aus seid, benötigt ihr auch keine extra Kamera (die ja schließlich extra hergestellt werden muss). In diesem Fall empfiehlt sich der Kauf einer Knippskiste, die gleichzeitig auch Mobiltelefon, Mediaplayer, Diktiergerät und handlich ist.

c. Eine weitere Möglichkeit, die Umwelt zu schonen, ist es, geliehenes Equipment zu nutzen und/oder Fotogemeinschaften zu bilden. Während die eine draußen auf Fototour ist, bereitet der andere seine Bilder am Gemeinschafts-PC auf und so weiter.

d. Besinnt euch auf die Macht der Bilder! Fotografiert Umweltsünden und präsentiert sie euren Mitmenschen. Tragt stets eine Kamera bei euch und lasst keine Gelegenheit entgehen, Misstände anzuprangern; ob das nun wilde Müllhalden sind, Tierquälereien, menschliches Elend oder Verbrechen.

Und damit schließt sich der Kreis. Wenn man per MMS binnen Sekunden Partyfotos rund um die Welt verschicken kann – warum dann nicht zwischendurch auch mal brisantere Bilddateien?

Veröffentlicht am 23. April 2008

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2 Kommentare und Links

  1. Steffen

    30. April 2008

    Die Bilanz verschlechtert sich noch, wenn man eine eigene Webseite hat, um seine Bilder der Welt zeigen zu können. Das Betreiben der Server kostet doppelt Energie. Zum einen verbrauchen Prozessor & Co. Strom und erzeugen Wärme die zum anderen von der stromhungrigen Klimanlage wieder abgeführt werden muss.

    Schön, dass du ein wenig zum Nachdenken über unseren derzeitigen Lebenstil anregst.

  2. Pierre Vlček

    30. April 2008

    Vielen Dank.

    Ich habe lange überlegt, ob es sich lohnt, ein so tolles Hobby ’schlechtzureden’ – vor allem auf einer Seite, die doch zum Fotografieren animieren soll. Doch ich fand es unehrlich, diesen Aspekt zu verschweigen.

    Mein größtes Problem ist, dass ich nicht so recht weiß, ob man mit einer umweltschändenden Tätigkeit tatsächlich der Umwelt helfen kann. Bzw. unseren Nachkommen.

    (Als ob ‘die Umwelt’ unsere Hilfe bräuchte. Es ginge auch ohne Menschheit.)

    Probleme abzulichten ist ja nicht wirklich das gleiche wie Probleme zu lösen. Negativ-PR mag öffentlichkeitswirksam sein, aber die Gefahr ist groß, dass sich das Publikum anders verhält, als erhofft; sich z.B. selbst besser fühlt, weil es nicht im Schutzland XY lebt, ohne die dortige Bevölkerung zu unterstützen.

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