Alte Fotografie-Sachbücher
Photographischer Cylindrograph (via)
Durch sie erfährst du nichts über digitale Bildbearbeitung oder Megapixel. Ihre Autoren tragen auch keine Hahnenkämpfe vom Schlage Canon vs. Nikon, DSLR vs. Point-and-Shoot oder "Die beste Kamera für hundert Euro" aus.
Wenn dich einzig und allein die technischen Neuerungen der Digitalfotografie interessiert, solltest du deine Zeit also lieber in Internetforen und auf Weblogs vergeu verbringen.
Falls du jedoch Grundlagenwissen und Praxisratschläge suchst, rate ich dir zu einer Kombination aus alltäglichem Fotografieren und dem Lesen und Verstehen von vergilbten Sachbüchern.
Wobei ich nichts gegen Foren und Weblogs gesagt haben will. Zumindest nicht viel mehr, als dass du und ich uns dort bereits Unmengen an Nebensachen und Halbwissen aufgeschnappt haben, während unsere Fotoausrüstung ungenutzt im Schrank herumlag.
going back – way back – back into time
Verfügst du über gute Englischkenntnisse, dann musst du dich nicht mit dem lokalen Flohmärkt-Angebot zufriedengeben; dann solltest du zusätzlich noch auf Internet Archive ("photography") und Google Books vorbeischauen.
Es besteht aber auch hier wieder die Gefahr, dass du deine Zeit sozusagen ‘verliest’ oder den lieben langen Tag PDF-Dateien zusammenträgst, statt das Gelesene in eigene Bilder umzusetzen.

Mein Stapel alter Fotografie-Sachbücher
… ist deshalb recht niedrig. Und ziemlich DDR-Fachbuch-lastig, weil sich in den Secondhandläden Dresdens hauptsächlich Ostblock-Bücher häufen.
Allgemeines und Nachwuchsförderung
- Kurt Hartmann (1961): "PENTACON-Praxis"
- Hans Kleffe (1972): "Bitte recht freundlich!"
- Werner Wurst (16. Auflage, 1989): "Fotobuch für Alle"
Die Autoren erläutern optische Grundlagen, vermeidbare Anfängerfehler und ähnliche Dinge. Abgerundet werden ihre Werke durch die für Digitalfotografen irrelevanten Kapitel über Filmentwicklung und Farbfilter. Das Alleinstellungsmerkmal von Kleffes Büchlein: er hat es geschrieben, um Kindern und Jugendlichen dieses tolle Hobby nahezubringen.
Währenddessen gibt Uli Geissler Anregungen zu kindgerechten Fotospielen und Projekten (»Anfänger sollten mit einer leicht zu bedienenden Kamera beginnen.«), und das Schnappschuss!-AutorInnenkollektiv präsentiert eine bunte Mischung aus Ratschlägen, Erfahrungswerten und Mutmachern:
- Uli Geissler (1994):
"Achtung Aufnahme! Hundert Spiele für Kassettenrecorder und Kamera" - Lohse/Gruber/Geifes [Hrsg.] (1956):
"Schnappschuss. Das Fotobuch für junge Menschen"
Bildwirkung und Dramaturgie
… sind wichtige Elemente wirkungsvoller Fotografien. Hempel und Prokop haben geschrieben, wie du Menschen und Ereignisse in Szene setzen kannst und welche Macht Fotografien haben.
- Rolf Hempel (1964): "Filmkurs 2: ABC der Filmdramaturgie"
- Gert Prokop (1978): "Die Sprache der Fotografie"
Praxisbeispiele
- Walter Danz (1961): "Fototip 11: Techniken der Tierfotografie"
- Joachim Giebelhausen (1982): "Erfolgreiche Architekturfotografie"
- Werner Wurst (1978): "Objektive als Gestaltungsmittel"
Was die Autoren uns zu sagen haben: Legt euch lieber ordentliche Objektive zu, statt aktuelle Sachbücher! Denkt besser vor den Aufnahmen nach, statt gigabyteweise Langeweile zu produzieren! Wir haben das doch auch hinbekommen. Und zwar ohne Live View.

Einige Schlussworte
Dass das "ABC der Filmdramaturgie" in diesem Beitrag auftaucht, ist kein Fehler. Schließlich ist das Fotografieren nur eine von vielen möglichen Möglichkeiten, ‘die Realität’ bzw. persönliche Ansichten zu archivieren.
Dies hat zur Folge, dass du, um Neues zu lernen, nicht allein auf Sachbücher zurückgreifen solltest, die sich ausdrücklich mit Fotografie beschäftigen. Schau dir Gemälde und Filme an, studiere Reklamesymbolik und trage auch sonst von überall Wissensbröckchen zusammen.
(So etwa findest du auf den Seiten 64/65 im Sachbuch "Fossilien" von Günter Krumbiegel und Harald Walther [1977] die illustrierte Anleitung zum Bau eines Tisches für Makroaufnahmen.)
Und nun noch etwas zum Thema Sachbuchkauf
Das "Schnappschuss"-Hardcover habe ich in der SLUBibliothek Dresden entdeckt, und ich kann es nicht oft genug sagen:
Ausleihen geht über kaufen!
Das gilt erst recht für Sachbücher zur Digitalfotografie. Ich gebe doch nicht 35 Euro für ein Buch voller HDR-Grundlagen aus, wenn ich es leihen kann und noch dazu mit dem Gefühl zurückbringe, den Inhalt bereits aus Foren und Weblogs zu kennen.
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Die Abbildungen für diesen Beitrag entnahm ich der eBook-Fassung von
- "Die Photographischen Apparate. Dargestellt für Amateure und Touristen" – G. Pizzighelli (Halle, 1891)
Veröffentlicht am 15. Februar 2009
Stichworte: Anleitung • Grundlagen • Sachbuch








Steffen
15. Februar 2009Back to the roots:
Die unter “Allgemeines und Nachwuchsförderung” erwähnten Bücher gehörten zu meiner Erst-Literatur – werde ich mal wieder vom Dachboden hervorkramen.
Ist doch einiges (leider) in Vergessenheit geraten.
Oliver
27. Februar 2009Hi,
Ich habe inzwischen mehrere Digitalkameras im Haushalt “rumzuliegen” doch am liebsten fotografiere ich mit meiner Yashica T4 mit guten Filmen und zu ganz besonderen Anlässen kommt die große Praktika wieder aus der Schachtel und darf auch knipsen. Einfach Irre.
Man macht von dem ganzen Digi-Kram keine Abzüge mehr. Ich habe schon spindelweise Zeug von den kleinen Kindern. Von den großen wenigstens noch Schuhkartons.
Grüße von der Küste
Oliver