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Buchcover fotografieren

In diesem Artikel erläutere ich die Entstehung von Bildern, wie sie unter anderem zur grafischen Abrundung von Online-Buchbesprechungen und eFlohmarkt-Angeboten benötigt werden.

(Ich könnte übrigens genausogut über CD-Hüllen, Zeichnungen oder anderen kleinen, flachen Gegenständen schreiben. Nur interessiere ich mich halt mehr für Bücher.)

1. Recherche im weltweiten Netz

Im Internet nach den gewünschten Covern zu suchen ist der erste logische Schritt. Für neuere Werke existieren höchstwahrscheinlich Vorschaubilder auf Amazon oder Google Books. Und obskure Taschenbuchausgaben findest du in Flickr-Gruppen wie etwa Old-Timey Paperback Book Covers.

Sobald du bemerkst, dass eine erfolgreiche Suche länger dauern würde als das anstehende Fotoshooting inkl. Nachbearbeitung, geht es offline weiter.

2. Semiprofessionelle Einbandfotografie

(Hm, klingt wie das Thema eines Volkshochschulkurses.)

Es spart Zeit, Cover auf Vorrat abzulichten. Der hohen Auflösung digitaler Bilder wegen ist es möglich, mehrere Bücher gleichzeitig zu fotografieren und sich später aus diesen Archivaufnahmen zu bedienen.

Beachten musst du dabei zwei Dinge: Die Lichtquelle muss alle Bücher gleich stark bescheinen und die Bücherdicke sollte nicht allzu drastisch variieren. Letzteres zum einen des Schattenwurfes und zum anderen der Schärfentiefe wegen.

2.1 Bücher sind normalerweise rechteckig und leicht ausschneidbar. Deshalb sind einfarbige Hinter- bzw. Untergründe kein Muss. Wichtig ist, dass deine Kamera die Bücher direkt ‚anschaut‘ und es nicht zu perspektivischen Verzerrungen kommt.

2.2 Es kommt nur diejenige Brennweite in Frage, bei der das Objektiv am wenigsten verzeichnet. Mit anderen Worten: Die Buchränder sollten gerade sein und nicht um den Bildmittelpunkt gekrümmt. Überprüfen kannst du das am Einfachsten mit dem Sucher-Fadenkreuz.

Fischauge, Blick durch den Sucher einer Canon EOS 350D, Normalform

2.3 Wichtig ist der Weißabgleich, da das Umgebungslicht ansonsten die Farbwirkung des Covers verfälscht. Auch hier gilt: Wer ordentlich abgleicht, verbringt weniger Lebenszeit mit digitaler Bildaufbereitung.

2.4 Ich rate dir dazu, lieber ein Stativ verwenden und länger zu belichten …

Der beste Grund dafür, mehrere Fotoapparate zu besitzen

… als freihändig unscharfe Fotos zu knippsen oder mit dem Blitzlicht Teile des Einbandes zu überstrahlen.

Folienbeschichtetes Taschenbuch geblitzt und ungeblitzt

Falls es zu dunkel ist, um unverwackelte Freihandfotos zu schießen und dein Stativ nicht dazu in der Lage ist, senkrecht nach unten zu fotografieren, dann improvisiere eine Buchstütze. Taschenbücher kannst du irgendwo anlehnen, dickere Bände problemlos gegenüber der Kamera aufstellen.

2.5 Fotografiere im Querformat. So umgehst du die 90°-Drehungs-Routine. Achte stets darauf, dass kein Stück des Buchdeckels über den Bildrand verschwindet. Hochformatige Aufnahmen sind nur sinnvoll, falls du das Cover später nicht thumbnailen willst.

2.6 Da sich Bücher nicht bewegen, ist der Autofokus die erste Wahl. Nimm lieber ein Bild mehr auf als später alles ein zweites Mal.

2.7 Nutz‘ die Vorschaufunktion deiner Kamera. Schau nach, ob das Cover scharf ist und alle Buchkanten parallel zum Rand des LCD-Displays verlaufen. (Eine Test-Möglichkeit: Das Vorschaubild leicht vergrößern und nach links/rechts/oben/unten bewegen.)

2.8 Falls du die Digitalkamera direkt über USB vom Computer aus anzusteuern vermagst, solltest du es tun /ndash; zumindest, wenn dein Bildschirm Farben und Formen ordentlich wiedergibt. Auf dem großen Bildschirm fallen Fehler sofort auf und du vermeidest einige Handgriffe.

2.9 Hast du das alles fotografiert, schaufelst du sämtliche Aufnahmen auf den Computer hinüber und widmest dich (irgendwann später) ihrer digitalen Aufbereitung.

3. Die digitale Bildbearbeitung

… dauert pro Buchcover nicht sehr lange. Schließlich hast du alle bisherigen Ratschläge beherzigt.

Nun denn:

3.1 Bevor du Photoshop, GIMP, Paint.NET oder ein anderes Grafikprogramm startest, verschffst du dir einen Überblick über die Qualität des Rohmaterials, löschst vergeigte Aufnahmen und notiert Verluste. Fotografiere lieber ein Buch erneut, als stundenlang damit zuzubringen, verwackelte oder falschfarbene Bilder am Rechner zu optimieren.

3.2a Du öffnest die Bilddateien einzeln im Grafikprogramm deines Vertrauens, markierst die gewünschten Cover so genau wie möglich, kopierst sie und erzeugst aus diesen Kopien neue Bilder.

3.2b Sofern du pro Foto nur ein Buch aufgenomen hast, reicht es aus, diese Cover auszuschneiden und die Originaldateien ohne Sicherheitskopie zu speichern.

Bildbeschneidung mit GIMP

Aber Vorsicht: Immer mit höchster Qualität speichern und niemals Teile der Buchcover wegschneiden! (Quizfrage: Zählt der von vorn zu sehende Teil eines Hardcover-Buchrückens zu den relevanten Bildinformationen?)

Gehört der Buchrücken zum Cover?

3.3 Sollten die abgebildeten Bücher nicht 99-prozentig farbecht sein, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, daran etwas zu ändern. Falls die Lichtverhältnisse während der Fotosession gleichgeblieben sind, so trifft dies auf die zu ändernden Parameter mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu.

3.4 Nun verkleinerst du die Bilder aufs gewünschte Maß. Zum Beispiel auf die zum Layout der Literaturkritikseite passende Höhe von 200 Pixeln.

3.5 Der vorletzte Arbeitsgang ist das Schärfen bzw. Unscharf maskieren der verkleinerten Fotografien. Dadurch kommen Schriftzüge besser zur Geltung.

Unscharf markieren ist das neue Schärfen

3.6 Zuletzt speicherst du die zugeschnittenen und verkleinerten Coverabbildungen unter einem schlüssigen Namen als neue Dateien. Auf die Speicherung der EXIF-Daten verzichtest du dankend.

3.7 Du lehnst dich zurück und bist stolz auf das Geleistete. Oder noch besser: Du verlässt das Haus und erledigst kleinere Besorgungen. Aber vergiss deine Digitalkamera nicht!

4. Zwei weitere Methoden der Buchcover-Aufzeichnung

…, deren Anwendung bei anderen Gelegenheiten mehr Sinn ergibt, erwähne ich aus diesem Grund allein der Vollständigkeit halber.

4.1 Selbstgeknippste Internetauktionshaus-Fotos

Der Look solcher Aufnahmen betont die Echtheit der angebotenen Ware. Zudem ist es mit Grafikprogrammen ohne weiteres möglich, solche Bilder zurechtzubiegen:

typische Internetauktionshaus-Fotografie, entzerrt

Dies ist jedoch zum einen ein Thema für sich und zum anderen ziemlich schwachsinnig.

4.2 Flachbettscanner

… haben den Nachteil, dass ihre Auflagefläche begrenzt ist. Auf einen A4-Scanner passen bestenfalls zwei Taschenbücher.

Nachteil #2: diese Geräte sind laaaangsaaam.

Andererseits sind sie dazu in der Lage, riesige ‚Abzüge‘ zu erzeugen. Falls du also postergroße Abzüge vom Cover deines Lieblingsbuches benötigst, solltest du es mit hoher dpi-Zahl einscannen und nicht digital fotografieren.

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Verzeichnis der Bücher auf den Beispielfotos

de Goncourt: "Renée Mauperin " (Reclam-Verlag, 1982)
Hirte: "Besser schreiben. Eine Stilkunde für Jedermann " (Urania-Verlag , 1964)
Lessing: "Hamburgische Dramaturgie" (Verlag von Velhagen und Klasing, 1908)
Eckardt: "Kinderseele und Kinderbuch" (Verlag Ernst Wunderlich, 1949)

Veröffentlicht am 11. September 2008 Stichworte:

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