“ich möchte fotografieren lernen”
Nichts einfacher als das, liebeR SuchmaschinennutzerIn! Alles, was du tun musst, ist, unser patentiertes Pflichtprogramm abzuarbeiten.
Übrigens ist es nicht so, dass du jeden dieser Punkte abhaken und hinter dich bringen kannst wie Klassenarbeiten oder Friseurtermine. Die meisten kannst du ad infinitum wiederholen.
(Ach ja: Wenn du Fotografieren lernen willst, sind Englischkenntnisse von Vorteil, aber kein Muss.)
Hinterfrage deinen Wunsch
Der Weg zum (Semi-)Profi ist gepflastert mit zighunderten auf die eine oder andere Weise vergeigten Aufnahmen. Und auch, wenn deine Kamera höchstwahrscheinlich Digitalfotografien erzeugen wird – dieses Hobby kostet dennoch Zeit, Geld und Geduld. Andererseits ermöglichen es Fotoapparate ihren Nutzern, Bildinformationen aller Art binnen Sekundenbruchteilen relativ naturgetreu abzubilden.
Es ist bewundernswert, wenn Menschen Motive zeichnen oder Eindrücke in geschriebene Worte fassen können. Ich habe mich für die Digitalfotografie, entschieden weil mir das Erlernen und Perfektionieren der eben genannten Alternativen zu lange dauert. Was sind deine Beweggründe?
Schau dir die Werke deiner zukünftigen MitstreiterInnen an
Galerien und Ausstellungen zu besuchen, muss nicht sein, denn öffentlich und kostenfrei zugängliche Quellen gibt es genug: Zeitschriften, Bildbände (durchblättern statt kaufen), Plakatwerbung, PDF-Magazine und so weiter und so fort.
Verblüffend oft wird dir beim Betrachten dieser Werke »Das könnte ich auch!« bzw. »Das wäre mir auch eingefallen!» durch den Kopf gehen. Worauf wartest du noch? Beweise diese Behauptungen!
Fotoapparat(e) ausleihen
Falls du ein Mobiltelefon mit eingebauter Digitalkamera besitzt, musst du noch nicht einmal das. Beim Fotografieren geht es um die Bilder und nicht (allein) um die Professionalität der verwendeten Technik. Zumal ja Fahranfänger auch nicht ohne Übung Formel-Eins-Champions werden.
Auch später, also wenn du dich mit Zubehör und einer eigenen Kamera ausgerüstet hast, solltest du mal anderes – und nicht immer nur ‘besseres’ – Equipment ausprobieren, um die Grenzen und Möglichkeiten verschiedener Modelle herauszufinden.
Kauf dir eine Erstausstattung
Digitalfotografie ist nur auf den ersten Blick ein billiges Hobby; Zusatzkosten durch Zu- und Neukäufe sind unvermeidlich. Aber das ist bei jedem technikbasierten Hobby deshalb vorhersehbar.
Für den Anfang jedoch reicht eine Digitalkamera aus, die nicht auf dem neuesten Stand ist, aber auch nicht hemmungslos veraltet. Lass dich nicht von den Megapixelangaben und ähnlichen Werbeversprechen blenden. Exotische Zusatzfunktionen schaden zwar nicht, aber lenken dich davon ab, deine Fotografie-Skills zu verbessern.
Ebenfalls wichtig: Ladegerät, Ersatzakkus, eine Handvoll ‘große’ Speicherkarten, sowie spezielles Reinigungswerkzeug gegen Staub auf dem Objektiv und Fingerabdrücke am Display. Der Kauf eines Mini-Stativs ist nicht unklug.
Und all das verstaust du in einer Tasche, die dir den schnellen Zugriff auf deine Ausrüstung ermöglicht.
Bearbeite die Fotos am Computer
Wenn du das Geld und die Kontakte hast, kannst du dich aufs Fotografieren beschränken und die Bildbearbeitung den Profis deiner Wahl überlassen.
Andernfalls ist es kein Nachteil, wenn dein Heimcomputer mit massig Rechenleistung und (Arbeits-)Speicherkapazität, sowie einem ordentlichen – sprich: augenschonenden – Monitor ausgestattet ist.
Um Digitalfotos zu bearbeiten, benötigst du logischerweise Grafiksoftware. GIMP oder Paint.NET sind die beste Wahl für Digitalfotografie-EinsteigerInnen. Falls du dich mit dem RAW-Format vertraut machen willst, empfehle ich dir Rawstudio.
Sobald auf deinen Fotos mehr zu erkennen ist als nur verwaschene Klumpen, ergibt es Sinn, grundlegende Grafikprogramm-Funktionen an ihnen auszuprobieren. Anleitungen hierzu findest du im Internet zuhauf. Die Suchanfrage "bildbearbeitung tutorial", ergänzt um den Namen des Programmes, führt am schnellsten zum Ziel. Sei aber vorsichtig, dass du die Ausgangsdateien nicht unwiderbringlich verschlimmbesserst!
Lies Handbücher und Anleitungen
…, denn das hilft dir dabei, die Möglichkeiten und Grenzen deiner Ausrüstung kennenzulernen. Wenn du keine besitzt, dann findest du sie wahrscheinlich auf der Website der Hersteller und Programmierer. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann gibt es immer noch zig Weblogs und Foren, deren Beiträge und Mitglieder dir weiterzuhelfen vermögen.
Nutze sämtliche Vorzüge deiner Digitalkamera
Digitalkameras sind zu mehr gut, als nur zum Speichern interessanter visueller Eindrücke. Sie zeigen die Uhrzeit an, können als Diktiergerät oder visuelles Notizbuch dienen oder auch als digitaler Handspiegel. (Sind noch Mohnkörnchen zwischen den Zähnen? Ein grinsendes Selbstportrait liefert die Antwort.) Außerdem leuchtet der Vorschaumonitor; jede Digitalkamera ist gleichzeitig auch Behelfs-Taschenlampe.
Ganz abgesehen von der Möglichkeit, Kameras mit selbstgebautem oder heruntergeladenem Zubehör zu aufzurüsten.
Fotografiere alles, was dir vor die Linse gerät
Jede Straße birgt tausende Details, die du aufzeichnen kannst; wenn du auf einen Bus wartest, dann nutze die Zeit dafür, rund um die Haltestelle auf Motivsuche zu gehen. Trage den Fotoapparat immer so mit dir herum, dass er in unter einer Minute einsatzbereit ist. Wenn du wissen willst, was hinter einer Baustellen-Holzwand vor sich geht, dann fotografiere mit eingeschaltetem Autofocus über die Absperrung hinweg.
Hock dich ungeniert nebens’s Wartehäuschen und fotografiere die Pflänzchen, die in den Ritzen im Asphalt wachsen. Gewöhne dir die Schamhaftigkeit gegenüber deinen nicht-fotografierenden Mitmenschen ab; sie behindert dich nur bei deinem Hobby. Fotografen sind Künstler und künstlerische Freiheit entschuldigt vieles.
Lerne aus Fehlern und vermehre Erfolgserlebnisse
Fotografiere tags, nachts und in der Dämmerung, mit und ohne Blitz. Probiere die diversen Kamerafunktionen bei wechselnden Lichtverhältnissen und Motiven durch. Teste aus, was deine Kamera so kann. Finde heraus, wie sie die Dinge aufzeichnet, die du ihr zeigst. Lies dich in Foren und Weblogs schlau und teste das Gelesene im richtigen Leben. Und notiere/merke dir, welche Methoden zu vorzeigbaren Ergebnissen führen.
Du könntest natürlich auch
… (Volks-)Hochschulkurse besuchen oder eine FotografInnen-Lehre antreten. Der Connections und der Glaubwürdigkeit halber ist dieses Vorgehen vielleicht sogar der bessere Weg. Auch stellen sich Lernerfolge unter Umständen schneller ein, wenn du dich mit Gleichgesinnten umgibst.
Aber mal unter uns: Fotografieren lernen kann echt jeder Mensch. Fehlfarbenes Polaroidgeknippse und unbrauchbare Passfotoautomaten-Bilder gelten als künstlerisch wertvoll – du kannst also eigentlich nichts falsch machen.
Veröffentlicht am 13. Juni 2008
Stichworte: Ansporn • autodidaktisch • Grundlagen








carmen
7. September 2008Toll und vielen Dank. ich finde Deine Texte sehr aufschlußreich und habe mir die Seite abonniert.
fotoshooting hamburg ollie
24. Februar 2009kurzweilige und launische abhandlung mit dem versuch seo und fotografie zu vereinen. *gg*
steckt aber viel wahres drin denke ich und in der zusammenfassung könnte man sagen, gebaucht kaufen, probieren und lernen und dann richtig kaufen.
cu ollie
Brigitte Hasenwinkel
13. Juni 2009Vermutlich mit der Fujifinepix Spro 5 überfordert.
Es gelingt mir nicht viel und ich denke so oft eine einfach, ohne Besonderheiten (Profiausrüstung) würde ich mir vermutlich leichter tun. Gerne würde ich es erlenen habe auch viele Fachbücher gelesen und schaffe es nicht von der Automatik wegzukommen. Den richten (Detail)Blick scheint mir angeboren. Das sagen mir meine Bildbetrachter nach. Was soll ich tun?