Mit Geduld und Fotoapparat
Du bezeichnest die Digitalfotografie als dein Hobby, hast bisher jedoch nur gigabyteweise Schnappschüsse auf der Festplatte? Dann solltest du ab und zu …
… dem Fotografieren deine ganze Aufmerksamkeit widmen
Radle mit dem Fahrrad durch Gegenden, an denen du dich noch nicht sattgesehen hast. Fotografiere die kleinen und großen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Durchstreife mit Digitalkamera, Stativ und Kabelauslöser nachtschlafende Städte, verfallene Gebäude oder dunkle Kellergewölbe.
… deine Lieblingsmotive (neu) entdecken
Falls du schon einige Jahre schnappgeschossen hast, stehen die Chancen gut, dass du inzwischen (unbewusst?) mehrere Motive zu deinen Markenzeichen gemacht hast. Nur weiß das außer dir vielleicht niemand. Und das, obwohl es weltweit zighundert Menschen gibt, mit denen du Erfahrungen und Bilder austauschen könntest, weil auch sie gern Flusskiesel fotografieren.
Also: Du magst Schrebergärten, Flusskiesel oder mit Edding bekrakelte Kleiderspende-Container? Dann fotografiere drei Dutzend davon und stelle sie als CBR-Archiv oder PDF-Magazin online.
… deinen Mitmenschen die Augen öffnen
Dokumentiere Aspekte des Alltags, die normalerweise nie thematisiert werden. Begleite den Alltag von Menschen, die auch du vorher vielleicht als Uninteressant eingeschätzt hast.
Bis deine Fotoreportage abgeschlossen ist, wirst du Geduld, Überzeugungskraft und manchmal sogar Geld aufwenden müssen. Ohne die Erlaubnis, die Unterstützung und das Vertrauen anderer Menschen wird deine Reportage nicht zustandekommen.
Deshalb wirst du im Gegenzug anschließend Wege finden müssen, deine Reportage zu veröffentlichen. Das bist du nicht allein den Fotografierten, sondern auch dir selbst schuldig.
… auf fotografische Zeitreise gehen
Familienalben sind das beste Beispiel für die zeitraffende Wirkung fotografischer Dokumente. Zwischen einzelnen Aufnahmen können Minuten liegen, aber auch Jahrzehnte. Mögliche Zeiträume gibt es viele.
Blumen (v)erblühen. Wolken türmen sich auf. Menschen benutzen Rolltreppen. Schnee fällt oder taut. Tage vergehen. Nächte beginnen. Häuser werden errichtet oder niedergerissen. Kinder werden geboren und allmählich erwachsen. Wohnungen werden vorgerichtet und Zöpfe wachsen.
Bilderreihen können sogar mehrere Generationen überspringen. Zum Beispiel, wenn du Sehenswürdigkeiten von den Standorten längst verstorbener Postkartenzeichner und (Hobby-)Fotografen aus ablichtest und beide Fassungen nebeneinander in dein Album klebst.
… Bilder inszenieren
Wenn du eine Idee für ein packendes Motiv hast, dann setze diese Idee in Bilder um. Denk daran, dass erst die Gegensätze zwischen den Fotomodellen und Requisiten die nötige Spannung erzeugen. Kombiniere Schmutz und Reinheit, Alter und Jugend, eckig und rund, normal und surreal, Licht und Schatten.
Durchstöbere Flohmärkte und Second-Hand-Läden nach Requisiten. Verkleide deine Freunde, stelle Stilleben oder eine kleine Gruppe TT-großer Figürchen zusammen, und fotografiere, was das Zeug hält. Wenn du gern Geschichten erzählst, dann versuche dich an einem Fotoroman. Sei im Rahmen deiner Möglichkeiten kreativ.