Nutzen und Nachteile hoher ISO-Werte

Pierre Vlček

Wenn schnelle Objekte fotografiert werden sollen und/oder die Lichtverhältnisse schlecht sind, kommt in der Analogfotografie lichtempfindlicheres Filmmaterial zum Einsatz. Aber auch Digitalkameras benötigen ausreichend Licht, um brauchbare Ergebnisse zu liefern.

Statt nun aber den Bildsensor gegen einen lichtempfindlicheren auszutauschen, wird das, was als Filmempfindlichkeit bekannt ist, per Knopfdruck erhöht. Oder, je nach gewähltem Aufnahmemodus, durch die Kamera und ohne Zutun ihrer Benutzer.

Theorie

Je größer der sogenannte ISO(-5800)-Wert ist, desto schneller sammelt die Kamera die erforderlichen Lichtteilchen bzw. als umso heller bewertet der Bildsensor das einfallende Licht: die Kamera legt die hereinströmenden Informationen anders aus.

Darum bringt es auch die digitale Filmempfindlichkeit mit sich, dass der Detailreichtum der Bilder mit jeder ISO-Stufe abnimmt. Der Unterschied liegt darin, dass Analogfilm grobkörniger wird und Digitalbilder pixeliger.

Wer dunkle Fotos am Computer aufhellt, tut, was auch das kamerainterne Lichtempfindlichkeits-Programm bereits hätte tun können: Er bläst die Helligkeit und Farbstärke des Ausgangsbildes auf und sorgt so dafür, dass das Ergebnis merklich digitaler aussieht als eines, welches Anhieb richtig belichtet wurde.

Praxis

Die den Praxisteil bebildernden Fotografien sind 1:1-Ausschnitte aus Aufnahmen einer digitalen Spiegelreflexkamera. Genauer gesagt einer Canon EOS 350D. Diese Kamerabauart liefert selbst bei einem ISO-Wert von 1600 recht passable Fotos, deren relative Grobheit u. U. als Stilmittel durchgeht.

Im ersten Beispiel wurden ISO-Wert, Blende (A) und Belichtungszeit (T) aufeinander abgestimmt. Man beachte die Pixelstruktur der Fotografien:

ISO 100, A: F/4.5, T: 4,0s

ISO 200, A: F/4.5, T: 2,0s

ISO 400, A: F/4.5, T: 0,8s

ISO 800, A: F/4.5, T: 1/3s

ISO 1600, A: F/4.5, T: 1/5s

Die zweite Belichtungsreihe veranschaulicht die lichtbringende Funktion. Blende und Verschlusszeit bleiben unverändert, während der steigende ISO-Wert die Bildhelligkeit ‘überkochen’ lässt:

ISO 100, A: F/5, T: 1,6s

ISO 200, A: F/5, T: 1,6s

ISO 400, A: F/5, T: 1,6s

ISO 800, A: F/5, T: 1,6s

ISO 1600, A: F/5, T: 1,6s

Zusammenfassung

Wer sich nicht auf die – schließlich nicht allwissende – Automatik verlassen möchte, muss sich diese Freiheit mit einer Menge Übungsstunden und einigen Gigabyte löschenswerter Bilder erkaufen.

Es gilt, solange herumzuprobieren, bis die persönliche und auch kameraspezifische Idealform gefunden ist. Denn Blende, Belichtungszeit und Filmempfindlichkeit bilden ein Team, das Führung braucht, um Bestleistungen erzielen zu können.

Übrigens gab und gibt es, das erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, neben dem ISO- auch weitere Standards für die Lichtempfindlichkeit von Filmmaterial. So zum Beispiel der sowjetrussische GOST und die US-Norm ASA. Doch sie alle konnten sich nicht international durchsetzen.

Veröffentlicht am 10. Mai 2008

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