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	<title>digitalkamera-guide &#187; Hintergedanken</title>
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	<description>Digital fotografieren wie ein Profi. Tipps, Inspiration und Anleitungen.</description>
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		<title>Fotografie und Publikum</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jan 2009 13:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pierre Vlček</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fotografieren]]></category>
		<category><![CDATA[Bildinformation]]></category>
		<category><![CDATA[Hintergedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; beeinflussen einander auf vielerlei Arten. Bild und (Seh-)Gewohnheiten Der schwammigste Merksatz überhaupt: Schönheit und Hässlichkeit liegen im Auge der BetrachterInnen. Erziehung, Bildungsstand, Neugier, soziales Umfeld und Normen des Publikums (und auch die aktuelle Gesetzeslage) spielen wichtige Rollen bei der Herausbildung &#8216;eigener&#8217; Vorlieben und Abneigungen. Bild und Zeit Fotografien sind Momentaufnahmen aus früheren Zeiten. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&hellip; beeinflussen einander auf vielerlei Arten.<br />
<span id="more-495"></span></p>
<h2>Bild und (Seh-)Gewohnheiten</h2>
<p>Der schwammigste Merksatz überhaupt: <a href="http://www.digitalkamera-guide.de/fotografieren/vier-gute-gruende-haessliche-dinge-zu-fotografieren">Schönheit und Hässlichkeit liegen im Auge der BetrachterInnen.</a> Erziehung, Bildungsstand, Neugier, soziales Umfeld und Normen des Publikums (und auch die aktuelle Gesetzeslage) spielen wichtige Rollen bei der Herausbildung &#8216;eigener&#8217; Vorlieben und Abneigungen.</p>
<h2>Bild und Zeit</h2>
<p>Fotografien sind Momentaufnahmen aus früheren Zeiten. Die abgebildeten Dinge und Personen sind inzwischen gealtert oder vergangen. Und je mehr Unterschiede zwischen abgebildeter Vergangenheit und betrachtender Gegenwart erkennbar sind, desto mehr <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Children.jpg">Bilddetails</a> finden Beachtung.</p>
<h2>Bild, Ort und Anlass</h2>
<p>Ich wette, ein im nepalesischen Bergdorf gehaltener Diavortrag über Dresden und Umgebung lockt prozentual gesehen mehr Publikum an als einer in Dresden über das Himalaya-Gebirge.</p>
<p>Was aber, wenn das Dresdner Publikum nur Großaufnahmen von nepalesischen Speisen vorgeführt bekommt, nachdem es zehn Euro Eintritt bezahlt hat und eigentlich Panoramen erwartet hatte? Wäre das lustig oder eine Frechheit?</p>
<p>Also: Wenn Fotos nicht der Erwartungshaltung ihres Publikums entsprechen, sind sie manchmal Kunst, manchmal <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal">Augenöffner</a> und manchmal einfach nur fehl am Platz.</p>
<h2>Bild und (fehlender) Kontext</h2>
<p>Das Hineinlesen und Umdeuten von Bildinformationen ist für Menschen die leichteste Übung. Die Zeitschriftenregale weltweit quellen über vor &ndash; und sind verantwortlich für &ndash; Klatsch, Tratsch und Halbwahrheiten. Deren Grundlage: Schnappschüsse von Promis beim Einkauf.</p>
<p>Die menschliche Vorstellungskraft macht auch jene Bilder erst möglich (und nötig?), die von ihren FotografInnen von vornherein auf möglichst allseitige Verwendbarkeit hin inszeniert sind; die sogenannten <a href="http://www.webdesignerdepot.com/2009/01/how-to-sell-stock-photos-part-1/">Stockfotografien</a>.</p>
<p>Stockfoto-Agenturen liefern den Verlagshäusern der Welt Aufnahmen von händeschüttelnden Menschen, lächelnden Schwangeren und ähnlichen Motiven, die je nach dem dazugehörigem Thema anders verstanden werden.</p>
<h2>Bild und Wahrheit</h2>
<p>Das Verschweigen von unbequemen Wahrheiten ist eine altbekannte und sehr beliebte <a href="http://www.textlog.de/35466.html">Propagandatechnik</a>. Deshalb gibt es wohl keine Brauerei der Welt, die einen prügelnden Ehemann zum Maskottchen hat, aber jede Menge Reklame, die die stimmungshebende Wirkung von Biermarke X betont.</p>
<p>Nicht selten dienen beigefügte Texte auch <em>nur scheinbar</em> dazu, mögliche Fehlinterpretationen auszuschließen, obwohl sie gedruckte Lügen sind. So etwa gibt es folgendes lustig gemeinte Postkartenmotiv wohl mit jedem Städtenamen zu kaufen:</p>
<p><img src="http://www.digitalkamera-guide.de/bilder/bildmaterial/unterschied-dresdenbeinacht.png" alt="Dresden bei Nacht" /></p>
<p>Die &#8216;erklärende&#8217; Textzeile verwandelt das schwarz bedruckte Stück Pappe in eine Parodie auf die übliche Postkartenansicht der nächtlichen Stadt. (Laut Otto Waalkes ist die ostfriesische Nationalflagge übrigens ein weißer Adler auf weißem Grund.)</p>
<h2>Bild und (gelenkte) Neugierde</h2>
<p>Die <em>&quot;Mona Lisa&quot;</em> ist nur ein Portrait unter Zehntausenden, lockt aber dennoch jährlich Schaulustige nach Paris, weil Menschen sich im Zweifelsfall lieber auf Kunstkritiker und Hörensagen verlassen.</p>
<p>Je seltener das Motiv, desto egaler die Bildqualität. Fotos von prominentem Nachwuchs beispielsweise werden abgedruckt, obwohl auf ihnen dank der gesetzlich vorgeschriebenen Unkenntlichmachung nichts von Relevanz zu erkennen ist.</p>
<h2><em>Zusammenfassung</em></h2>
<p>Die Fotografen und Fotografinnen der Welt werden all diese Wechselwirkungen niemals völlig beeinflussen (oder auch nur bedenken) können, bevor sie die Auslöser durchdrücken und Fotografien veröffentlichen.</p>
<p>Auch werden sie selten wiedersprechen können, wenn jemand ihren Bildern neue Aussagen zuschreibt. Oder es stets mitbekommen, wenn man Zusammenhänge und rote Fäden in ihrem Gesamtwerk entdeckt, die den Künstlern selbst ein Leben lang nicht aufgefallen sind.</p>
<p>Aber das ist egal! Denn jeder Mensch, der mit einer Kamera durchs Leben und auf Motivsuche geht, ist sowieso ein Teil des Publikums. Und Teil der Handlung. Ohne Bilder und andere wiedersprüchliche Zeitzeugnisse gäbe es keinen Fortschritt.</p>
<h2><em>Anhang &ndash; Weiterführende Literatur und Praxisbeispiele</em></h2>
<p>Klickst du die Links, so landest du bei der jeweiligen Amazon.de-Produktdetailseite.</p>
<ul>
<li>Daniel Arijon (1976): <em><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/187950507X/itseguide6-21">&quot;Grammar of the Film Language&quot;</a></em></li>
<li>Ernst Friedrich (1924): <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3421058407/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Krieg dem Kriege&quot;</a></li>
<li>H. P. Lovecraft (1927): &quot;Pickmans Modell&quot; | <em><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0586063234/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Pickman&#8217;s Model&quot;</a></em></li>
<li>Scott McCloud (1993): <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3551748179/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Comics richtig lesen&quot;</a> | <em><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/006097625X/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Understanding Comics&quot;</a></em></li>
<li>Gerd Prokop (1978): <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B001HB96QK/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Die Sprache der Fotografie. Ein Foto-Lese-Buch&quot;</a></li>
<li>Hanno Rauterberg (2007): <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3100628101/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Und das ist Kunst?! &#8211; Eine Qualitätsprüfung&quot;</a></li>
<li>Günther Schwarzberg (1991): <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3596103029/itseguide6-21" rel="nofollow">&quot;Das Ghetto. Spaziergang in die Hölle&quot;</a></li>
</ul>
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		<title>Vier gute Gründe, hässliche Dinge zu fotografieren</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 13:02:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pierre Vlček</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fotografieren]]></category>
		<category><![CDATA[Hintergedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Motivwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Portfolio]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich wurde ich gefragt, warum viele meiner Bilder Verfallendes, Kaputtes, Hässliches und manchmal auch Abstoßendes zum Motiv haben. Ich kam ins Trudeln, denn meine Vorliebe für solche Fotomotive ist mir zwar bekannt, aber wirklich begründen hatte ich das noch nie müssen. Dieser Beitrag nun ist die ordentlich ausformulierte Fassung meines Herumgedruckses. Erster Grund: Weil ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich wurde ich gefragt, warum <a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/">viele meiner Bilder</a> Verfallendes, Kaputtes, Hässliches und manchmal auch Abstoßendes zum Motiv haben. Ich kam ins Trudeln, denn meine Vorliebe für solche Fotomotive ist mir zwar bekannt, aber wirklich begründen hatte ich das noch nie müssen. Dieser Beitrag nun ist die ordentlich ausformulierte Fassung meines Herumgedruckses.<br />
<span id="more-476"></span></p>
<h2>Erster Grund: Weil ich solche Dinge bemerke</h2>
<p>Nur damit ich die Phrase aus dem Kopf bekomme, dass &raquo;Schönheit im Auge des Betrachters liegt&laquo;, habe ich sie soeben eingetippt. Wobei ich hinzufügen möchte, dass negative optische Wirkungen ebenfalls in der BetrachterInnen Augen liegen. Besser geschrieben in deren Erziehung, auf die sich sowieso vieles zurückführen lässt.</p>
<p>Die Bezeichnung <em>Blickfang</em> beinhaltet nämlich keine Wertung und ist einzig ein Label für Gegenstände oder Personen, die irgendwie auffallen. Diese Auffälligkeit macht sie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lookismus">un-/interessant</a> und deshalb auch fotogen.</p>
<p>Der Witz daran: Würde ich grundsätzlich nichts <a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/sets/72157594266167205/">Verfallenes</a> oder ähnlich Abnormes ablichten, würde mich wohl niemand nach den Gründen dafür fragen. Vielen Menschen würde das wahrscheinlich gar nicht auffallen, obwohl auch sie im Alltag auf negativ <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konnotation">konnotierte</a> Blickfänge treffen.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/2989573981/"><img src="http://www.digitalkamera-guide.de/bilder/bildmaterial/haesslich_strassburger.jpg" alt="Am Strassburger Platz in Dresden" /></a></p>
<h2>Zweiter Grund: Ich will diese Dinge konservieren</h2>
<p>Ob nun aus Sentimentalität, Respekt vor den Relikten der Vergangenheit oder bloßer Lust am seltenen Motiv: Fotografien sind Zeitzeugnisse, die Land und Leute so abbilden, wie ich sie später einmal gesehen haben werde.</p>
<p>&raquo;Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet: Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor.&laquo; Und so Fortschritt will, werden diese Momente nicht verloren gehen in der Zeit.</p>
<p>Die Frage, wer sich außer mir und Wayne für den Erhalt dieser Momentaufnahmen interessieren sollte, stellt sich mir nicht. Wenn es Menschen gibt, die einen <a href="http://www.archive.org/details/AdultEducationFakeBeatles">Vortrag über Beatles-Ripoffs</a> besuchen oder einen <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3822850624/itseguide6-21">Bildband über Spielzeugroboter</a> kaufen, finden sicherlich noch weitere Menschen Gefallen an dieser Fotografie eines Fahrradweges:</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/2892477513/"><img src="http://www.digitalkamera-guide.de/bilder/bildmaterial/haesslich_radweg.jpg" alt="Radweg" /></a></p>
<h2>Dritter Grund: Unschöne Motive regen zum Denken an</h2>
<p>Kaputte Dinge wurden einst benutzt und zerlebt, Menschen mit Narben <a href="http://www.flickr.com/groups/scars/pool/">haben Geschichten zu erzählen</a> und die Zigarettenstummel vorm Wartehäusschen wurden vielleicht sogar von Mitbürgern weggeschnippt, die <a href="http://mis.vlepvnet.bzzz.net/">Graffiti und Streetart</a> für Schweinereien halten.</p>
<p>Kurz gesagt: Solche Motive lassen Rückschlüsse auf die Vielschichtigkeit des Lebens zu und inspirieren eher zum Geschichtenerfinden als die x-te Makroaufnahme einer Rosenblüte oder das y-te <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stockfotografie">Stockfoto</a> von glücklichen Menschen und ihren Laptops.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/2291711929/"><img src="http://www.digitalkamera-guide.de/bilder/bildmaterial/haesslich_schiene.jpg" alt="Gleis mit Kippen und Kronkorken" /></a></p>
<h2>Und last but not least: Weil mich ihr Anblick stört</h2>
<p>Sigmund Freud soll einst auf die Bemerkung, dass er da ja eine mächtig große Zigarre rauche, geantwortet haben: &raquo;Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.&laquo;.</p>
<p>Soll heißen: Manchmal bin ich auch nur so geschockt und aufgebracht von einem Anblick, dass ich ihn via Digitalkamera verewige und im Internet anprangere, weil dies technisch möglich ist. Ohne positive Hintergedanken oder andächtige Sekunden, wer wohl welchen triftigen Grund dafür gehabt hat, das eben Gesehene zu verursachen. Einfach aus Frust.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/henteaser/2340836367/"><img src="http://www.digitalkamera-guide.de/bilder/bildmaterial/haesslich_apostrophs.jpg" alt="Apostrophs!!!1Elf" /></a></p>
<p><em>[ Disclaimer: Ich habe nichts gegen Rosen und lache ebenfalls von Zeit zu Zeit beim chatten.] </em></p>
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