digitalkamera-guide

Benimmregeln für Flickr und Co.

Die in diesem Beitrag gesammelten Ratschläge verstehen sich eigentlich von selbst. Aber es schadet auch nicht, sie in Textform vorliegen zu haben.

Die Kurzfassung

Falls du deine Digitalfotos nicht für dich allein sammeln, sondern sie möglichst vielen Menschen außerhalb deines Bekanntenkreises präsentieren willst, gelingt dir das am Leichtesten, indem du deine Bilder auf Fotohostingseiten wie Flickr oder Ipernity veröffentlichst.

Bilder offenbaren nicht nur Interessen, Vorlieben und Abneigungen, sondern dokumentieren gleichermaßen deinen Alltag und dein soziales Umfeld. Auch aus Zeitpunkt, Häufigkeit und Menge der Uploads können all jene, die es interessiert, Rückschlüsse auf deinen Tagesablauf ziehen.

Hinzu kommt: Jede Fotografie sagt etwas über dich aus und einige dieser Aussagen sind irreführend. In den Flickr-Richtlinien heisst es dazu:

»Don’t be creepy. You know the guy. Don’t be that guy.« [Sei nicht unheimlich. Du kennst solche Typen. Sei nicht dieser Typ.]

Du sollst es nicht allen Recht machen (Mittelmaß gibt es zur Genüge), doch solltest auch nicht ungebremst gegen bestehende Moralvorstellungen anrennen. Schließlich können deine onlinegestellten Digitalfotografien und Meinungen von jedem Menschen mit Internetzugang betrachtet und gelesen werden.

Das war auch schon das ganze Geheimnis eines online zur Schau gestellten Fotoalbums. Eigentlich. Denn es gibt noch etliche weitere Punkte, die es lohnt, anzusprechen.

Das Leben der Anderen

Wenn dir die Privatsphäre anderer Menschen während des Fotografierens keine Sorgen bereitet, so solltest du sie dennoch nicht vergessen, bevor du Fotos hochlädtst.

Das ist besonders wichtig, wenn sie das Hauptmotiv sind, und nicht nur der Zierrat bzw. das notwendige Übel auf einem klassischen Touristenfoto. Im Zweifelsfall ist es immer besser, Gesichter/Augenpartien und Nummernschilder unkenntlich zu machen oder gleich ganz auf den Upload zu verzichten. Denn Rechtsstreitigkeiten kosten Geld, Zeit und Nerven.

Also: Personen um Erlaubnis fragen, ob der Upload klargeht. Modellverträge geben dir und ihnen Sicherheit.

Noch etwas: Es ist nicht schön oder niedlich oder so, den Lebensweg deines Nachwuches von den ersten Lebensstunden an online zu präsentieren. Was bringt es denn, dein Familienalbum der ganzen Welt zu zeigen? Denk daran, dass deine Kinder sich gegen diesen Eingriff in ihre Privatsphäre nicht wehren können. Und überhaupt: Denk an die Kinder!

Kopierrechte

Informiere dich über die vergebbaren Zugriffsrechte. Online ist nicht gleich online. Es gibt auch passwortgeschützte Privataccounts, auf die nur Personen zugreifen dürfen, denen du diese Möglichkeit gibst. (Wobei du ihnen wirklich private Aufnahmen höchstens emailen solltest.)

Wenn du deine Bildrechte nicht abgeben willst, solltest du deine Bilder vor dem Hochladen mit digitalen Wasserzeichen schützen. Es reicht absolut nicht aus, deinen Namen als Kommentar in die Datei zu schreiben.

Falls du die Bilder per Creative Commons lizensieren willst, solltest du diese im Interesse der Netzgemeinschaft nie wieder ändern. Zumindest nicht, ohne die Nutzer deiner Dateien darüber zu informieren.

Willst du hingegen Werke anderer FotografInnen im Sinne der von ihnen vergebenenen Kopierrechte verwenden, dann teile ihnen dies mit (bzw. frage um Erlaubnis). Vergiss auch nicht, ihnen per Backlink oder angekündigtem eMail-Anhang zu zeigen, wie sich ihre Bilder in dein Projekt einfügen.

Wider die Bilderflut

Trotz der Möglichkeit, ohne Unterschied alles hochzuladen, was du den lieben langen Tag abgelichtet hast, besteht kein Zwang, diese Möglichkeit zu nutzen. Niemanden interessieren alle Bilder einer Fotoexkursion. Unter Umständen interessieren sie dich nicht einmal selbst.

Wähle deshalb die besten Fotos des Tages (oder der Woche) aus. Drehe, verbessere und beschneide sie. Der Lerneffekt ist gleich Null, wenn du jedes deiner verwackelten Urlaubsfotos für gelungen hälst oder deine Selbstkritikfähigkeit auf der Höhe des zulässigen monatlichen Uploads basiert.

Qualitativ minderwertige Bilder solltest du überhaupt nur hochladen, wenn sie die einzigen Dokumente von Unalltäglichem sind. Gestochen scharfe, goldschnittige Bilder von explodierenden Tankstellen, Bigfoot, UFOs und Flugzeugabstürzen verstoßen sowieso gegen das ungeschriebene Gesetz des Augenzeugenmaterials.

Usability

Digitalkameras schreiben zwar reichlich Metaangaben in den Exif-Anhang, sind jedoch leider (noch) nicht intelligent genug, den Bilddateien verständliche Namen zu geben. Sie begnügen sich mit durchlaufender Nummerierung.

Diese IMG_n-Betitelung ist aussagelos, unauffindbar und sollte auch nicht dein Standard bleiben. Wenn du dir die Mühe machst und die besten Bilder auswählst, dann gönne dieser Auswahl auch würdige Titel.

Sinnvolles Verstichworten (engl: tagging) und Gruppieren wird dich weitere Lebenszeit kosten, ist aber ebenfalls in deinem Sinne. Denn dadurch werden Menschen auf deine Bilder aufmerksam und sind nicht auf puren Zufall angewiesen.

Womit ich beim letzten, wenngleich auch nicht unwichtigsten Themenkomplex angekommen bin: deinem Leben als Teil der globalen Fotogemeinschaft.

Digitales Miteinander

Zwar kannst du Flickr und Co. auch als Fotoalbum benutzen, doch sie sind mehr als nur Datenmüllhalden. Sie sind eine Mischung aus Weblogs, Foren, Galerie und Kunstausstellung.

Bitte übertreibe es aber nicht gleich mit dem Miteinander. So zum Beispiel solltest du fremde Bilder nur kommentieren, wenn du wirklich etwas zu sagen hast. Falls dein Kommentar auf »nice colors« oder eine ähnliche gutmeinende Phrase hinauslaufen würde, markiere eine gelungene Fotografie lieber als Favorit.

Was du hingegen bedenkenlos tun kannst: Auf tolle Fotolocations hinweisen und überhaupt hilfsbereit sein. Tritt Gruppen bei und finde Gleichgesinnte! Nutze die Vorteile der digitalen Präsentation! Begreife die Fotocommunity deiner Wahl als Chance zum Lernen, zur (Selbst-)Kritik und zum Erfahrungsaustausch!

Veröffentlicht am 25. November 2008 Stichworte:

3 Kommentare

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  1. Rob

    Schlecht ist nur, wenn man das „[…] ungeschriebene Gesetz des Augenzeugenmaterials […]“ nicht kennt. Worum handelt es sich den?

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  2. Pierre Vlček

    Es lautet: Je mieser die Aufnahmequalität, desto glaubwürdiger ist das Bilddokument.

    Dieses Gesetz gilt erst recht für Videoaufnahmen. Sie können gar nicht verwackelt, pixelig, kaputtgezoomt und dran vorbei geschwenkt genug sein.

    (Siehe die Bilder von Bigfoot, UFOs, dem Loch-Ness-Monster, dem Kennedy-Attentat und so weiter.)

    Es wird deshalb stets angewendet, wenn Realität simuliert werden soll. In Spielfilmen wackeln Kameras pseudo-dokumentarisch, und (Mode-)Fotografen nutzen dieses Stilmittel ebenfalls seit Jahrzehnten; setzen die Models im ‚ungezwungenen‘ Paparrazzi-Stil in Szene.

    Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, doch es erfordert reichlich Medienkompetenz und Skepsis, um auf keines dieser gefälschten Beweise hereinzufallen.

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  3. Steffen

    Informative Zusammenfassung als Flickr (& Co.) -Knigge.

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