Das Mini-Stativ mit den biegsamen Beinen
Wegen des niedrigen Preises, der handlichen Größe und der an Gliederfüßer erinnernden drei Beine habe ich es mir zugelegt. Im Gegensatz zur gleichgroßen Konkurrenz lässt sich dieser Dreifuß nämlich an unebene Untergründe anpassen.
Noch dazu besteht das Modell meiner Wahl nahezu aus einem Guss. Die einzige Schraube ist die, mit der es an der Kamera angebracht wird. Das war mir wichtig, weil ich der Meinung bin, dass einfache Produkte mehr aushalten und schneller einsatzbereit sind.
Das Produkt, welches ich hier anpreise, ist beileibe kein Profi-Equipment. Ich habe jedoch lieber jederzeit ein kleines Stativ griffbereit, als gar keines. ‘Ordentliche’ Stative mögen professioneller sein; vor allen Dingen aber sind sie unhandlich. Und viel zu auffällig, um sie durch die Stadt zu tragen bzw. sie problemlos in Sehenswürdigkeiten oder an belebten Orten einsetzen zu können.
Ärgerlicher ist da schon, dass der Abstand von den drei Füßen des Stativs bis zum Objektiv der Kompaktkamera knapp zwölf Zentimeter beträgt. Man muss also entweder in die Hocke gehen oder das Stativ auf (hoffentlich vorhandene) Stadt-/Möbel abstellen. Dieses Manko zwingt FotografInnen zur Improvisation, soll das Motiv nicht undokumentiert bleiben.
(Richtig frustrierend wird’s, wenn sich kein fester Halt auftreiben lässt.)
Andererseits verhindern Mini-Stative einen der Langeweilefaktoren typischer Touristen- und Familienfotos: Ganze Bilderserien, aufgenommen aus Augen- oder Brusthöhe.
Für den schnellen Einsatz zwischendurch taugt dieses kleine Helferlein allemal. Aber aufgepasst! Nicht alle Nachteile lassen sich positiv umschreiben.
So etwa gelingen Hochformatige Fotografien nur, wenn man das Stativ während der Aufnahme verwacklungsfrei an eine Säule, ein Straßenschild, etc. presst. Was nicht die Schuld des Statives ist, sondern die der Fotoapparate-Designer. Viele Kameras verfügen nämlich nur über Stativgewinde in der Gehäuse-Unterseite.
Apropos Verwacklungsfreiheit: Ein Fernauslöser verhindert, dass die Kamera beim Fotografieren erschüttert wird. Doch sollte der auch tatsächlich zum Kameramodell passen.
Beispielsweise kann es vorkommen, dass ein per Klettverschluss zu befestigender Drahtauslöser erst nach langem Herumgefummel mit der vom Gehäusedesign her auf Handbetrieb ausgelegten Kompaktdigitalen zusammenarbeitet.
Eine zweite Möglichkeit ist es, eine Zeitverzögerung von ein bis zwei Sekunden einzustellen. Nur, dass man in diesen Sekunden nicht ins Bild springt und sich selbst fotografiert, sondern hinter der Kamera abwartet und sie – falls möglich – währenddessen loslässt.
In Kombination mit dem Reihenaufnahme-Modus und manuellem Fokus liefert der Apparat dann eine Bilderserie, mit deren Bilderzahl auch die Wahrscheinlichkeit eines gelungenen Fotos steigt. Warum sollte man schließlich die Möglichkeiten der Digitalfotografie ungenutzt lassen und sich auf eine Aufnahme pro Motiv beschränken?
Ach ja: Selbst der fernste Auslöser hilft nichts, wenn die Kamera auf dem Geländer einer Brücke steht, die von Straßenverkehr erschüttert wird.
Gewicht der Kamera:
Auch dieser Punkt hat ein wenig mit der Verwacklungsfreiheit zu tun. Mini-Stative mögen es gar nicht, wenn die auf ihnen befestigten Fotoapparate zu schwer sind. Dann kippen sie um oder gehen in die Knie.
Und wenn sie entgegen aller Vermutungen sogar das Gewicht einer Spiegelreflex tragen, garantiert das nicht dafür, dass die Fotos gelingen. Auch die Erschütterungen durch den Druck auf den Auslöser, den Autofokus und das Klacken des Spiegels sollte man voraussehen.
Glücklicherweise ist der ungünstige Schwerpunkt nur bei den wirklich kleinen Stativen ein Problem. Die sogenannten Gorillapods beispielsweise sind zwar nicht mehr ganz so handlich, doch dafür vermögen sie fast ein Kilo Kamera zu fixieren.
–
Resümee:
Anfangs mochte ich das Mini-Stativ mit den biegsamen Beinen nicht wirklich leiden. Es war ein unbedachter Schnellkauf. Ich brauchte es, damit meine Kompaktdigitale nicht jedesmal mit dreckigen Untergründen in Kontakt kommt, wenn ich verwacklungsfreie Abendstimmungen ablichten will.
Doch inzwischen habe ich mich an die Nachteile gewöhnt und erfreue mich an den (wenigen) Vorteilen. Zumal ich zu faul und furchtsam bin, nach Sonnenuntergang stets sperriges und auffälliges Fotozubehör mit mir zu führen.
Das besprochene Mini-Stativ ist nicht teuer und hier bei Amazon erhältich.
Veröffentlicht am 27. April 2008
Stichworte: Equipment • Kompaktkamera • Stativ









